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Regatta Ablauf
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Max
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Regatta Ablauf
Hallo,
ich war ja bei der Glühwein Regatta zum ersten mal dabei. Leider konnte ich wegen eines Defekts nicht mit segeln. Aber es haben sich einige Fragen zum Ablauf einer Regatta aufgetan.
Dass man seine Segelnummer beim Zieldurchlauf rufen muss, habe ich bemerkt.
Aber wie macht man sich bemerkbar, wenn man sich der Vorfahrt beraubt fühlt?
Gibt es einen Schiri? Wer beurteilt das Vorfahrtsrecht?
Es gab eine Boje die ziemlich weit weg war. Beim Versuch (vor dem ersten Lauf) die Boje zu umrunden, bin ich dagegen gefahren. Also könnte es auch sein, dass man einem anderen Boot die Vorfahrt nimmt, weil man die Situation falsch einschätzt. Wie wird denn sowas gehändelt, Kringel? Muss jemand protestieren, oder Schiri?
Was ist wenn man eine Boje beim runden berührt, Kringel?
Wie erfahre ich wann ich einen Kringel zu machen habe?
Ich bin nicht sicher ob ich Gras am Kiel hatte, aber es gab Situationen, da habe ich einfach keine Wende und keine Halse hinbekommen (Wind war ziemlich frisch). Was ist, wenn man in solch einer Situation einem die Vorfahrt nimmt, ohne es zu wollen?
Es gib sicherlich noch einige andere Fragen, die mir im Moment nicht einfallen, aber ich werde euch schon löchern
Viele Grüße
Max
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GER 272 - GER 474 - DX6i 2,4 GHz
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| 16.12.2008 20:50 |
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haegar
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RE: Regatta Ablauf
Hallo, Max,
viel Fragen, eigentlich ganz einfach zu beantworten - aber dann doch wieder nicht. Ich will es mal probieren ...
Wenn man mitbekommt, dass jemand anderes im Begriff ist, einem die Vorfahrt zu nehmen, ist eine klare Ansage angebracht. Ansprache, wer gemeint ist (Segelnummer oder Name), und was los ist. Z.B. 1234 "Backbord" wenn man selbst auf Backbordbug (Wind von Steuerbord) fährt, der andere aber auf Steuerbordbug (Wind von Backbord).
Das schöne an der MM ist, dass es normalerweise ohne Schiedsrichter (oder im Regattadeutsch Umpire, Schiris gibt es nur beim Fußball) geht. Manchmal wünscht man sich aber einen, wenn die Situation unklar war, oder der (seltene?) Fall eintritt, dass sich zwei doch in die Haare bekommen. Also, Regeln lernen und fair segeln - dann braucht man keinen neutralen Beobachter, dann weiss man schon, wenn man Kringeln muss.
Wer einem anderen Boot die Vorfahrt nimmt, muss kringeln! Ohne Wenns und Abers. Das gilt auch, wenn man sein Boot nicht unter Kontrolle hat. Mangelnde Bootsbherrschung ist keine Entschuldigung.
Einzige Ausnahme, man wurde von einem dritten Boot regelwidrig gehindert auszuweichen. Dann ist der dran.
Ein Kringel ist zu machen, wenn man einen Regelverstoß begangen hat. Das sollte man selbst wissen, ist für einen Anfänger aber schwierig. Meist wird man aber ziemlich unmissverständlich dazu aufgefordert. Fairerweise sollte man aber auch ohne Auffroderung kringeln, wenn man gegen eine Regel verstoßen hat.
Proteste im klassischen Sinne gibt es bei der MM nicht, das wird üblicherweise direkt geregelt. Bei unklaren Situationen oder größeren Meinungsverschiedenheiten sollte man sich dann aber hinterher zusammensetzen und das ausdiskutieren. Dabei ist ein Regelbuch durchaus hilfreich. Es lernen alle Beteiligten dabei.
Irgendwo auf der MM-Seite hat Thomas mal die Grundregeln beim Segeln zusammengetragen, die bei der MM gelten. Das ist zwar (viel zu) wenig, aber ein Anfänger ist häufig selbst damit überfordert. Für eine ausgefuchsten Segler ist das MM-Regelwerk aber zu dünne, weil danach Sachen möglich sind, die einem den Spaß am Segeln verderben können.
Ich selber halte es mit der Devise, dass das geltende Regelwerk dem seglerischen Können angepasst werden sollte. Wenn ein Anfänger in unübersichtlichen Situationen den Überblick verliert und eine Kollision verursacht, ist das sicher anders zu bewerten, als wenn ein Crack irgendwo reindonnert, weil es bei der MM eigentlich nicht verboten ist, und sich dadurch richtige Vorteile verschafft.
Die zugegebenermaßen sehr komplizierten ISAF-Regen haben ihren Sinn. Regelgerechte Duelle auf dem Wasser machen einen unheimlichen Spaß, wenn man sich darauf verlassen kann, dass der Gegner die Regeln genauso einhält wie man selbst. Taktische Manöver auf dem Raumgang, die Positionskämpfe vor der Tonne oder das gegenseitige Austricksen auf der Zielkreuz, das ist einfach toll, das ist richtiges Regattasegeln. Ein Anfänger ist damit überfordert, man kann daher nicht erwarten, dass man mit ein Anfänger zusammen solche Spielchen machen kann. Da muss man anders rangehen.
Ich plädiere daher immer dafür, soviel ISAF-Regeln wie möglich zu übernehmen, die Anwendung aber durchaus flexibel zu handhaben. Ich weiss, dass hier bei der MM viele eine andere Auffassung haben. Ich finde aber RG-Regatten, wo das ganze im Regelfall gut umgesetzt wird, erheblich entspannter als manche Autoscooter-Regatten bei der MM.
Die großen Klassen (IOM etc.) sind mir, was die Regeln angeht schon weder zu verkniffen ...
Gruß aus Teltow
Achim
GER 253, MPX M-Link 2,4 GHZ
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| 16.12.2008 23:26 |
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Max
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RE: Regatta Ablauf
Hallo Achim,
danke für die ausführliche Erklärung 
Was RC-Segeln angeht bin ich in der Tat mit ca. einer Stunde auf dem Wasser ein blutiger Anfänger. Ein Segelanfänger bin ich aber nicht, sondern mehr ein Wiedereinsteiger. Ich habe viele Jahre mit 470er, 505, Simon 485 und Co aktiv Regatta gesegelt. Auch die ISAF2008 Regeln habe ich mir zur Auffrischung noch mal reingezogen. Was ich eigentlich wissen wollte war mehr so der Ablauf und die Auslegung der Regeln, was Du ja auch teilweise erklärt hast.
Also was ich jetzt gelernt habe ist:
1. Wenn man seine Vorfahrt in Gefahr sieht, verschaft man sich mit lautem Gröhlen Raum. Also wie im richtigen Leben.
2. Hat man selbst eine Vorfahrtsregel verletzt, kringelt man fairer Weise selbst. Dabei bleibt die Frage ob man sofort kringeln muß, oder ob es egal ist wann, hauptsache vor der Ziellinie.
Was ich noch nicht gelernt habe ist, was ist wenn man eine Boje beim runden berührt, Kringel?
Viele Grüße
Max
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GER 272 - GER 474 - DX6i 2,4 GHz
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| 17.12.2008 08:02 |
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haegar
Wannseeat
   
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RE: Regatta Ablauf
Hallo, Max,
auch beim Modellsegeln gilt wie bei den Großen - ein Kringel muss unverzüglich, d.h. vor der nächsten Tonne gefahren werden. Das ist nur beim Matchrace anders!
Tonnenberührungen bei der MM sind erlaubt, die sind in der Regel Strafe genug. Noch was ist anders: beim Modellsegeln gilt der 4-Längen-Kreis.
Wenn Du wissen willst, wie es ganz eng gehandhabt wird, bei den ISAF-Regeln gibt es einen extra Anhang für's Modellsegeln.
Gruß aus Teltow
Achim
GER 253, MPX M-Link 2,4 GHZ
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| 17.12.2008 09:01 |
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Christian Ü.
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RE: Regatta Ablauf
Hallo Max,
es heißt ja immer, bei der MM werden die Segelregeln sehr locker gehandhabt. Das lässt natürlich jede Menge Auslegungsspielraum, was damit gemeint sein soll: Manch einer denkt, es würde bedeuten, dass die Regeln gar nicht gelten oder Regelverstöße keine Konsequenzen haben, aber das kann damit nicht gemeint sein. Regattasegeln ist auch ein Taktikspiel und ohne Regeln gewinnt am Ende nicht der beste Segler, sondern der Skrupelloseste.
Ich verstehe unter einem "lockeren Umgang" mit den Regeln, dass sie auch ohne Umpires angewandt werden, dass also die Teilnehmer sich selbst einigen. Dazu gehört auf jeden Fall das freiwillige Kringeln, wenn man ein anderes Boot (durch einen Regelverstoß) behindert hat, auch wenn der andere es nicht explizit fordert. Und selbstverständlich gelten die Regeln nicht nur dann, wenn man sie vorher durch lautes "Raaaaauuuuuuum!!!!!!" Rufen eingefordert hat. Und natürlich muss man kringeln, wenn man ein anderes Boot versehentlich behindert hat. Wer absichtlich andere Boote behindert oder sogar rammt, gehört disqualifiziert, so dass ich davon ausgehe, dass alle Regelverstöße unbeabsichtigt erfolgt sind (schönen Gruß nach Hildesheim an dieser Stelle).
Wenn man die Regeln anwenden will, müssen diese Regeln natürlich alle Mitspieler kennen. Von einem Einsteiger kann man dabei sicherlich nicht erwarten, dass er das gesamte Regelwerk beherrscht und sicher anwenden kann. Daher hat Thomas die wichtigsten Regeln auf einer Seite zusammengefasst: http://www.mm-sailing.de/mm-hp/regeln/se...2004-2.pdf Wenn sich alle Teilnehmer wenigstens an diese Regeln halten und bei Verstößen freiwillig kringeln, dann können wir schon von einer Regatta sprechen und nicht nur vom Boat-Scooter fahren. Das hindert ja regelfeste Segler nicht daran, sich unter Anwendung des kompletten Regelwerkes zu duellieren 
Lockerer Umgang mit den Regeln heißt am Ende auch, dass man im Zweifelsfall einfach mal einen Kringeln fährt oder einfach mal nicht auf sein Recht besteht und damit einen Zusammenstoß vermeidet, anstatt noch stundenlang darüber zu diskutieren, warum man der Meinung war, nicht kringeln zu müssen (nochmal schönen Gruß nach Hildesheim).
Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.12.2008 11:01 von Christian Ü..
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| 17.12.2008 10:01 |
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Max
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RE: Regatta Ablauf
@ Achim,
das mit dem 4 Längenkreis hatte ich bereits schon gelesen, aber trotzdem danke für die Info.
@ Christian,
auch ein Dank an Dich, für die Erläuterung. Die Segelregeln von Thomas habe ich natürlich auch schon gelesen. Und aus meiner Sicht betreiben wir alle dieses Hobby ja in erster Linie um Spaß zu haben und nicht weil wir ums verrecken Erster sein wollen. Und darum finde ich auch dass ein fairer Umgang untereinander eine Selbstverständlichkeit sein sollte.
Viele Grüße
Max
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GER 272 - GER 474 - DX6i 2,4 GHz
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| 17.12.2008 10:41 |
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